Bemerkenswert

Vortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker

Am 15. Oktober um 19 Uhr haben wir Herrn Ernst Ulrich von Weizsäcker, den ehemaligen Ko-Präsidenten des Club of Romes und Neffen des ehemaligen Bundespräsidenten, für einen Online-Vortrag über Zoom eingeladen. Dabei wird er über sein Engagement für eine nachhaltige Welt als Wissenschaftler, Politiker und Autor sprechen. Weiterhin wird Herr von Weizsäcker auf aktuelle ökologische Entwicklungen der Erde eingehen. Im Anschluss wird die Möglichkeit bestehen, ihm Fragen zu stellen.
Jeder ist herzlich dazu eingeladen, dem Vortrag beizuwohnen.

Hier bereits einmal der Zoom-Link für die Veranstaltung: https://zoom.us/j/91575843095


Bildrechte:
Flickr – boellstiftung – Ernst Ulrich von Weizsäcker.jpg by Heinrich Böll Stiftung is licensed under CC BY-SA 2.0

Bemerkenswert

About Us

Der Club of Rome ist ein internationaler Think Tank, der 1968 gegründet wurde und als einer der ersten vor den Auswirkungen des Klimawandels gewarnt hat. Auch heute hat er nicht an Relevanz verloren; ihm gehören Mitglieder wie Michail Gorbatschow, Jérôme Bindé, und Juan Carlos I. an. 

Wir bei SICoR sind die einzige offizielle studentische Absplitterung des Club of Rome. Wir treffen uns wöchentlich, um bei Plenen über gesellschaftliche Fragen, Politik und Ökonomie zu diskutieren. Außerdem veranstalten wir Socials, Podiumsdiskussionen und Studienfahrten. 

In diesem Semester beschäftigen wir uns mit unserem Semesterthema „Zukunft ist Vergangenheit“; hierbei setzen wir uns vor allem auf konstruktiver Ebene mit den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen, aber auch philosophischen Fragen, die die Zukunft mit sich bringt, auseinander.

2. Plenum: Verschwörungstheorien

Unser 2. Plenum findet am 22. Oktober

Zu Beginn findet der Vortrag statt; dieser wird sich thematisch auf Basis ihrer geschichtlichen Entwicklung mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen. Dabei wird v.a. auch ein Fokus auf ihre Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander gelegt. Insgesamt soll dadurch auch ein gewisses Verstehen der Hintergründe von Verschwörungstheorien ermöglicht werden.
Im Anschluss tauschen wir uns auf diskursiver Ebene zu diesem Thema aus.

Schaut gerne vorbei!

Hier der Zoom-Link für die Veranstaltung:  https://zoom.us/j/98293137968

Kick-off am 1. Oktober

Unser Kick-off für das HWS 2020 findet am Donnerstag, dem 1. Oktober, um 19 Uhr via Zoom statt. Eine kurze Vorstellung der Initiative und der erste Vortrag zu unserem Semesterthema Zukunft ist Vergangenheit stehen auf dem Programm. Dieser erste Vortrag beschäftigt sich mit dem Thema: Der gegenwärtige Mangel an politischen Ideologien. Dabei wird sich dieser Vortrag mit den Ursachen und Folgen des Untergangs politischer Ideologien beschäftigen; im Anschluss werden wir über dieses Thema auf Basis des Vortrages diskutieren bzw. uns mit diesem auseinandersetzen.

Danach treffen wir uns wöchentlich ebenfalls donnerstags um 19 Uhr teilweise per Zoom und teilweise in Präsenz zu unseren Plenen, die sich aus einem Vortrag zu einem bestimmten Thema und einer darauf bezogenen Diskussion zusammensetzen. Außerdem stehen in diesem Semester weitere spannende Veranstaltungen an. Falls ihr interessiert seid, könnt ihr gerne einfach vorbeischauen. Für mehr Infos folgt uns gerne auf Facebook oder auf Instagram.

Wir freuen uns auf euch!

Veranstaltung: Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene

In Kooperation mit Green Office organisiert Sicor am 8. Oktober einen Workshop zu dem Thema „Think Globally, Act Locally“ – Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene. Bei dieser Veranstaltung, welche im Rahmen der von Green Office organisierten Erstsemesterakademie stattfindet, wird ein Sprecher der Stadt Mannheim das Nachhaltigkeitskonzept der Stadt vorstellen, welches versucht, die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN auf lokaler Ebene umzusetzen. Im Anschluss wird eine interaktive Diskussionsrunde mit Workshopelementen in Bezug auf die allgemeine Umsetzbarkeit von Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene stattfinden.

Mehr Informationen zur Erstsemesterakademie findet ihr auf dem Instagram-Profil von Green Office; mehr Informationen zu der von Sicor organisierten Veranstaltung auf unserer Instagram- und Facebookseite.
Anmelden könnt ihr euch unter dem folgenden Link: https://www.ersti-akademie-bw.de/uni-mannheim/

Buchvorstellung – Die Welt von Gestern

Stefan Zweig Bild

 

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts haben mit ihren Ereignissen die Entwicklung der Menschheit und besonders die Entwicklung Europas nachhaltig beeinflusst. Nach langen Friedensjahren, die mit Stabilität, einem ubiquitären Fortschrittsoptimismus und dem Aufleben der Kultur und Kunst einhergingen, brach mit den Ersten Weltkrieg und seinen Grauen eine neue Zeit über Europa herein, geprägt durch politische und wirtschaftliche Instabilität, aber auch durch den Aufstieg einer liberaleren Lebensführung und Moral, durch eine erneute Blütezeit der Kunst und Kultur und durch die Entstehung der „europäischen Idee“. Wenige Jahre später zerrüttete der Aufstieg des Faschismus alle vorherigen Strukturen und Ideen Europas und stürzte den Kontinent mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges endgültig ins Chaos.

In diesem Rahmen verfasste Stefan Zweig, ein überzeugter jüdischer Europäer und einer der begnadetsten Schriftsteller seiner Zeit, zwischen 1939 und 1942 seine Autobiographie „Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers“ und schuf damit nicht nur ein Resümee für sein individuelles Leben, sondern vielmehr auch für die letzten Jahrzehnte Europas, denen neben vielen evidenten Grauen auch Schönheit, Simplizität, Ideen und Hoffnung innewohnten.

Zweig sammelt aus dem Exil heraus die Erinnerungen an seine vergangene Zeit, er erzählt groteske und bewegende Anekdoten, kommentiert das Zeitgeschehen und gibt einen authentischen Einblick in die europäische Kunst- und Kulturlandschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei gelingt es ihm, den Leser, obwohl er durchaus eine gewisse Distanz zu seinen Erinnerungen behält (wohl auch bedingt durch seine eigene zeitlich-räumliche Entfernung im Exil), in seinen Bann zu ziehen, mit einer packenden, aber dennoch nie emotionalisierenden Sprache, die zugleich zum Träumen und Fürchten einlädt.

Er beginnt sein Werk mit einer plastischen Beschreibung Wiens seiner Kindheit, eine Stadt der Kunst und Kultur, in der Lebensfreude, Optimismus und Gelassenheit herrschen. Im Anschluss folgen Abrechnungen mit der Bildung in der Schule und der Universität sowie der Sexualmoral des kaiserlich und königlichen Wiens und Nachzeichnungen seiner jungen Erwachsenenjahre im Europa vor dem ersten Weltkrieg als eine Zeit harmonischer und freundschaftlicher Stabilität, geprägt von Optimismus und Fortschrittsglauben. In diese Zeit bricht die Grundtragödie des 20. Jahrhunderts in Form des Ersten Weltkrieges herein. Mit diesem Ereignis ändert sich der Charakter des Buches; eine apolitische Lebensweise ist nicht mehr möglich, da die politischen Gegebenheiten der nächsten Jahrzehnte das Individuum stark einschränken, vor allem in seiner Freiheit. In diesem Rahmen gelingt es Stefan Zweig eine illustrierten Darstellung auf das Zeitgeschehen seiner Zeit zu entwerfen, die dem Leser durchaus erlaubt, einen eigenen und neuen Blickwinkel auf diese Jahrzehnte, aber auch auf die Historie insgesamt zu gewinnen. Die Aufzeichnungen beginnen mit Schilderungen zu der Hyperinflation, spannen bald einen Bogen zum Aufstieg des Faschismus und enden mit Zweigs Gang ins Exil auf der Flucht vor den Fängen des Nationalsozialismus.

Im Exil von Depression geplagt lässt Zweig seine Autobiographie mit einem Satz ausklingen, der versucht, versöhnlich mit seinem eigenen und dem Schicksal Europas abzuschließen: „Aber jeder Schatten ist im Letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.“ Einige Monate später wählte er im Exil in Brasilien den Weg des Freitods.

Unabhängig von der inhärenten Historizität wohnt dem Werk aber auch ein grundlegend zeitloser Charakter inne. Es werden zeitlose Ideen vertreten und zeitlose Fragen debattiert, wie der Pazifismus, die Rolle der Kunst bzw. Kultur für eine Gesellschaft, das Schicksal des „jüdischen Volkes“ oder eine Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus, den Zweig, der sich selbst als eigentlich apolitisch charakterisierte, miterleben und erdulden musste. Ein besonderer Fokus kommt der Europa-Idee zu, die Zweig fast schon kosmopolitisch ausdehnt; ihm gelingt es, den ideellen Wert einer europäischen Gemeinschaft zu illustrieren, der uns Europäer, unabhängig von der dahinterstehenden politischen und wirtschaftlichen Macht, an die ursprüngliche Idee eines gemeinsamen Europas erinnern sollte, die in den heutigen Zeiten teilweise vergessen zu sein scheint. Des Weiteren findet eine starke vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Konzept und der Bedeutung der individuellen Freiheit statt. Dieser Aspekt, der sich sowohl mit der äußeren Freiheit in der Bildung oder in der Sexualität als auch mit der Entdeckung der inneren Freiheit und der daraus resultierenden Entfaltung auseinandersetzt, darf uns auch in Zeiten, in denen der Wert der inneren und äußeren Freiheit des Individuums durch diverse Faktoren hinterfragt bzw. eingeschränkt wird, durchaus als Mahnung gelten.

Insgesamt handelt es sich um ein sprachlich sehr schön verfasstes Werk, welches auf inhaltlicher Ebene die Sichtweise eines involvierten, aber doch grundlegend apolitischen Europäers auf die so verhängnisvolle Episode für Europa aufzeigt; diese Epoche, die gleichzeitig so viele Chancen mit sich gebracht hatte, deren Realisierung aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf breitere Ebene begann, in einer Welt, die nicht mehr die gleiche war.