Buchvorstellung – Bowling Alone

Bowling Alone

 

Bowling Alone: auch nach Corona?

In Corona Zeiten bedeutet Social Distancing einen erheblichen Verlust an Lebensqualität. Gerade jetzt bemerken wir, wie wichtig soziale Kontakte sind und wie sehr das vom Virus erzwungene Social Distancing uns beeinträchtigt. Die Welt wartet auf den Impfstoff, dann können wir uns endlich wieder treffen. Wirklich?

Schon vor 20 Jahren argumentierte der Politologe Robert Putnam in seinem Opus Magnus Bowling Alone für die USA, dass das soziale Kapital seit den 60-er Jahren abnehme. Während Kennedy 1965 in seiner Rede zur Amtseinführung noch stolz fordern konnte: „Ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country“, sei die Gesellschaft um die Jahrtausendwende auseinander gedriftet. Menschen seien weniger altruistisch, sie würden einander weniger vertrauen und vereinsamen. Unsere Generation bowlt nicht mehr zusammen, sondern jeder für sich: Bowling Alone. Ganz ohne Corona. Ja, und?
Putnam argumentiert, soziale Verarmung des Individuums sei gefährlich für die Gesellschaft als Ganzes. Hohes soziales Kapital fördert uns vielfältig: es sorgt für bessere individuelle Chancen, sicherere, produktivere und gerechtere Gesellschaften und stabilere, gemäßigte politische Strukturen. Umgekehrt führt niedriges soziales Kapital zu Klassendenken, Populismus und Rassismus.

Meiner Meinung nach entstehen viele soziale Kontakte zufällig, z.B. durch die Uni, beim Sport oder bei Initiativen. Heute werden diese Zufallsbegegnungen immer seltener. In der S-Bahn hören wir Musik über Kopfhörer, lassen unsere Einkäufe nach Hause liefern und streamen auf Netflix, statt ins Kino zu gehen. Und nach Corona werden viele ganz von zu Hause aus arbeiten. Unser Leben wird durch neue Technologien zwar immer bequemer, aber gleichzeitig auch isolierter.

Obwohl Bowling Alone bereits vor 20 Jahren erschienen ist, bleibt das Thema aktuell. Soziales Miteinander ist keine Selbstverständlichkeit. Corona ist wie ein Brennglas, das nur Probleme aufzeigt, die davor schon existiert haben. Deswegen ist Corona auch eine Chance, die Probleme bewusst macht und uns so hoffentlich aktiviert.

– Paul

 

About Us

Der Club of Rome ist ein internationaler Think Tank, der 1968 gegründet wurde und als einer der ersten vor den Auswirkungen des Klimawandels gewarnt hat. Auch heute hat er nicht an Relevanz verloren; ihm gehören Mitglieder wie Michail Gorbatschow, Jérôme Bindé, und Juan Carlos I. an. 

Wir bei SICoR sind die einzige offizielle studentische Absplitterung des Club of Rome. Wir treffen uns wöchentlich um bei Plenen über gesellschaftliche Fragen, Politik und Ökonomie zu diskutieren. Außerdem veranstalten wir Socials, Podiumsdiskussionen und Studienfahrten. 

In diesem Semester beschäftigen wir uns mit unserem Semesterthema „Zukunft ist Vergangenheit“; hierbei setzen wir uns vor allem auf konstruktiver Ebene mit den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen, aber auch philosophischen Fragen, die die Zukunft mit sich bringt, auseinander.

Kick-off am 20. Februar

Unser Kick-off für das FSS 2020 findet am Donnerstag, dem 20. Februar, um 19 Uhr in dem Raum EW 163 statt. Eine kurze Vorstellung der Initiative und der erste Vortrag zu unserem Semesterthema Wie leben wir in der Zukunft stehen auf dem Programm. Dieser erste Vortrag beschäftigt sich mit dem Thema: Die Städte der Zukunft – Herausforderungen des urbanen Miteinanders; hierbei ist natürlich auch für Bier und Pizza gesorgt.

Danach treffen wir uns wöchentlich ebenfalls donnerstags um 19 Uhr in EW 163 zu unseren Plenen, die sich aus einem Vortrag zu einem bestimmten Thema und einer darauf bezogenen Diskussion zusammensetzen. Außerdem steht in diesem Semester auch eine Semesterfahrt nach Kopenhagen an. Falls ihr interessiert seid, könnt ihr gerne einfach vorbeischauen. Für mehr Infos folgt uns gerne auf Facebook.

Wir freuen uns auf euch!

Studienfahrt nach Brüssel

Studienfahrt 2019. SICoR in Brüssel

Europa: Politik, Geschichte & Stadtleben

Als interdisziplinäres Diskussionsforum, mit Mitgliedern, die sich für Politik, Geschichte, technische Innovationen, Kultur, Bildung und natürlich Nachhaltigkeit interessieren, wird sich immer rege ausgetauscht, gelesen, diskutiert: ob auf der Busfahrt, beim Frühstück, bei der Stadtbesichtigung… es wird nie langweilig.

Doch all die Theorie ist zwar spannend und kann zu intellektuellem Austausch führen, aber nichts geht über die sinnliche Erfahrung von der eigenen Umgebung.

Der erste Eindruck von Brüssel war ein Realitätscheck.

Angekommen am Nordbahnhof in Brüssel, riecht es streng nach Urin und Elend, was daran liegt, dass eine Halle, die als Zwischenstation für Busse gedacht ist, als Unterkunft für Obdachlose und Flüchtlinge, die auf der Durchreise sind, genutzt wird – eine bloße Halle, die verglast ist und auf deren Boden sich Menschen mit all ihren Klamotten einrichten. Mehr haben sie nicht, keine Hygieneeinrichtung… Bilder, die man in den Nachrichten sieht, Berichte, die man aus Zeitungsberichten kennt, zeigen einem nicht die alltägliche Situation, in denen sich so viele Bewohner in Großstädten befinden, wo sie unterkommen und nächtigen.

Doch neben dieser Seite der Medaille vom Stadtleben, zeigte sich die multikulturelle Vielfalt Brüssels, die offizielle Mehrsprachigkeit und die Offenheit einer Stadt, mit deren Bewohnern man auf Englisch, Türkisch (und natürlich Deutsch) in Austausch kam. Ob in Imbissen, bei der Stadtbesichtigung oder beim Einkaufen, das Straßenbild ist geprägt von vielfältigen Einflüssen, bei denen sich Mannheimer gleich heimisch fühlen.

Das Europaviertel war natürlich der Hauptgrund unseres Besuches, wobei ein Rundgang durch das Haus der Europäischen Geschichte den Auftakt bildete, bei dessen Erkundung wir „The Limits of Growth“, die bekannteste Publikation des Club of Romes, entdeckten und jeder von uns etwas sehr Eigenes für sich selbst mitnahm, was er oder sie noch nicht über die Geschichte Europas wusste oder noch nicht in diesem Licht gesehen hatte. Als neugierige junge Europäer/-innen machten wir uns weiter auf den Weg zur Europäischen Kommission, um einen Einblick hinter die Kulissen zu erlangen. Der Rundgang führte uns in Sitzungssäle, wir stellten unsere Fragen und bekamen Anregungen für den nächsten Tag, an dem wir eine Führung im Europäischen Parlament hatten. Das Gespräch mit einem Mitarbeiter erweiterte unsere Eindrücke vom gestrigen Tag und rundete diese ab. Da man nie genug Informationen und Eindrücke sammeln kann, gingen wir anschließend ins Parlamentarium, in dem wir eine andere Seite europäischer Geschichte betrachten konnten, über neue Menschen erfuhren und zu Gesprächen und ganz persönlichen Eindrücken angeregt wurden.

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Europa als Vision und Europa in Progress – zwei Seiten einer Medaille. Es war spannend zu sehen, wie weit das Friedensprojekt gekommen ist. Aber ein roter Faden, der die Fahrt und die Themen durchzog, sind Träume und Visionen, die Menschen verbinden und ihnen Hoffnung schenken können – für eine nachhaltige, bessere Zukunft, in der wir leben wollen und die aus der Vergangenheit gelernt hat.

Dem Ruf nach Austausch zwischen jungen Menschen aus Europa wird von einigen unserer Mitglieder in diesem Semester gefolgt, sie nehmen am Erasmus-Programm teil. Sie werden uns im FSS‘20 wieder bereichern und mit neuen Erfahrungen in andere Denkweisen lenken und den Horizont von Diskussionen erweitern können, dieses Semester werden sie aber schmerzlich fehlen. Daher rufen wir dazu auf, uns als Initiative unter die Arme zu greifen und bei den wöchentlichen Plenarsitzungen, immer mittwochs um 19 Uhr, mitzuwirken: Ideen für eine nachhaltige Zukunft

Wir danken Absolventum herzlich für die Unterstützung!