Gastvortrag Prof. Radermacher – Zusammenfassung

Am 28. April besuchte uns Herr Professor Dr. Franz Josef Radermacher, um einen Vortrag zu dem Thema Energie, Klima und Zukunft – Navigieren in schwierigem Gelände.

Nach einer kurzen Einleitung begann Herr Radermacher mit seinen Ausführungen; laut ihm sollte man den Klimawandel nicht als existentiellen Kampf um den Fortbestand der Erde, sondern vielmehr als Kampf um die Qualität der zukünftigen menschlichen Zivilisation wahrnehmen. Eine der zentralsten Ursachen und Herausforderungen im Rahmen des Klimawandels sei der rapide Anstieg der Weltbevölkerung in den letzten Dekaden. Der Wunsch vieler Entwicklungsländer nach einem wachsenden Wohlstand und einer wachsenden Bevölkerung seien kaum zu delegitimieren, allerdings führen sie zu zahlreichen Problemen. Energie werde heutzutage als entscheidendes Vehikel zur Befriedigung der grundlegenden Bedürfnisse betrachtet; dabei existieren Konflikte zwischen entwickelten und Entwicklungsländern in der Fokussierung auf totalen Energieverbrauch oder Energieeffizienz.

In der Debatte für den Klimaschutz existieren auch weitere Interessenskonflikte zwischen der entwickelten und der Entwicklungswelt. Bei den ersten Umweltkonferenzen in den 1970er, die allesamt scheiteten, äußerten die Entwicklungsländern den Vorwurf, dass Umweltschutz nur ein Vorwand der reichen Länder sei, um die bestehenden Verhältnisse aufrechtzuerhalten. In der gegenwärtigen Lage werde die Frage der Verteilungsgerechtigkeit zunehmend verschärft durch aus den Folgen der Klimarisiken resultierenden höhere Zinsen, die nachhaltige Investitionen in den Entwicklungsländern erschweren. Andere vielversprechende Projekte wie Transferleistungen für den Regenwaldschutz oder zur CO2-Emissionenreduktion scheitern häufig am politischen Unwillen. In der Praxis dominieren häufig ein Klimanationalismus, der durch die Fokussierung von Klimainvestitionen in der eigenen Nation charakterisiert sei, auch wenn in anderen Staaten, v.a. in Entwicklungsländer, die Kosten pro eingesparter Emissionseinheit häufig deutlich geringer seien. Allerdings existieren dafür gegenwärtig innerhalb  der supranationalen Strukturen und Verträge für ein solches Handeln keine Anreize; stattdessen werde „Carbon Leakage“ gefördert, also das Verschieben von emissionsintensiven Zweigen in Länder mit geringeren Auflagen.

Mögliche Lösungsansätze umfassen unter anderem die Speicherung und Nutzung von ausgestoßenen CO2. Dieses könne dann weiterverwendet werden zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen oder Baustoffen; allerdings stehen neben einiger praktischer Umsetzungsschwierigkeiten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen diesem Ansatz momentan noch im Wege. Auch ein globaler Zertifikatshandel biete gute Möglichkeiten zur Eindämmung der Emissionen, scheitere aber gegenwärtig an politischen Widerständen.

In der anschließenden Diskussion betonte Herr Radermacher, dass gegenwärtig Teile der Debatte von vorgeschobenen Problemen und Lösungen sowie individualistischen Strategien dominiert seien. Weiterhin seien keine zu „revolutionären“ Lösungen einzusetzen; stattdessen sollte man, auch wegen der Aufrechterhaltung der öffentlichen Meinung, einen konstanten Übergang schaffen, der auch die übergangsweise Nutzung „alter“ Infrastrukturen beinhaltet; für das Funktionieren eines solchen Übergangs seien neue Technologien entscheidend.

Wir bedanken uns noch einmal herzlichst bei Herrn Radermacher für seinen spannenden und lehrreichen Vortrag sowie für den insgesamt schönen Abend!