Veranstaltung: Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene

In Kooperation mit Green Office organisiert Sicor am 8. Oktober einen Workshop zu dem Thema „Think Globally, Act Locally“ – Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene. Bei dieser Veranstaltung, welche im Rahmen der von Green Office organisierten Erstsemesterakademie stattfindet, wird ein Sprecher der Stadt Mannheim das Nachhaltigkeitskonzept der Stadt vorstellen, welches versucht, die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN auf lokaler Ebene umzusetzen. Im Anschluss wird eine interaktive Diskussionsrunde mit Workshopelementen in Bezug auf die allgemeine Umsetzbarkeit von Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene stattfinden.

Mehr Informationen zur Erstsemesterakademie findet ihr auf dem Instagram-Profil von Green Office; mehr Informationen zu der von Sicor organisierten Veranstaltung auf unserer Instagram- und Facebookseite.
Anmelden könnt ihr euch unter dem folgenden Link: https://www.ersti-akademie-bw.de/uni-mannheim/

Buchvorstellung – Die Welt von Gestern

Stefan Zweig Bild

 

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts haben mit ihren Ereignissen die Entwicklung der Menschheit und besonders die Entwicklung Europas nachhaltig beeinflusst. Nach langen Friedensjahren, die mit Stabilität, einem ubiquitären Fortschrittsoptimismus und dem Aufleben der Kultur und Kunst einhergingen, brach mit den Ersten Weltkrieg und seinen Grauen eine neue Zeit über Europa herein, geprägt durch politische und wirtschaftliche Instabilität, aber auch durch den Aufstieg einer liberaleren Lebensführung und Moral, durch eine erneute Blütezeit der Kunst und Kultur und durch die Entstehung der „europäischen Idee“. Wenige Jahre später zerrüttete der Aufstieg des Faschismus alle vorherigen Strukturen und Ideen Europas und stürzte den Kontinent mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges endgültig ins Chaos.

In diesem Rahmen verfasste Stefan Zweig, ein überzeugter jüdischer Europäer und einer der begnadetsten Schriftsteller seiner Zeit, zwischen 1939 und 1942 seine Autobiographie „Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers“ und schuf damit nicht nur ein Resümee für sein individuelles Leben, sondern vielmehr auch für die letzten Jahrzehnte Europas, denen neben vielen evidenten Grauen auch Schönheit, Simplizität, Ideen und Hoffnung innewohnten.

Zweig sammelt aus dem Exil heraus die Erinnerungen an seine vergangene Zeit, er erzählt groteske und bewegende Anekdoten, kommentiert das Zeitgeschehen und gibt einen authentischen Einblick in die europäische Kunst- und Kulturlandschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei gelingt es ihm, den Leser, obwohl er durchaus eine gewisse Distanz zu seinen Erinnerungen behält (wohl auch bedingt durch seine eigene zeitlich-räumliche Entfernung im Exil), in seinen Bann zu ziehen, mit einer packenden, aber dennoch nie emotionalisierenden Sprache, die zugleich zum Träumen und Fürchten einlädt.

Er beginnt sein Werk mit einer plastischen Beschreibung Wiens seiner Kindheit, eine Stadt der Kunst und Kultur, in der Lebensfreude, Optimismus und Gelassenheit herrschen. Im Anschluss folgen Abrechnungen mit der Bildung in der Schule und der Universität sowie der Sexualmoral des kaiserlich und königlichen Wiens und Nachzeichnungen seiner jungen Erwachsenenjahre im Europa vor dem ersten Weltkrieg als eine Zeit harmonischer und freundschaftlicher Stabilität, geprägt von Optimismus und Fortschrittsglauben. In diese Zeit bricht die Grundtragödie des 20. Jahrhunderts in Form des Ersten Weltkrieges herein. Mit diesem Ereignis ändert sich der Charakter des Buches; eine apolitische Lebensweise ist nicht mehr möglich, da die politischen Gegebenheiten der nächsten Jahrzehnte das Individuum stark einschränken, vor allem in seiner Freiheit. In diesem Rahmen gelingt es Stefan Zweig eine illustrierten Darstellung auf das Zeitgeschehen seiner Zeit zu entwerfen, die dem Leser durchaus erlaubt, einen eigenen und neuen Blickwinkel auf diese Jahrzehnte, aber auch auf die Historie insgesamt zu gewinnen. Die Aufzeichnungen beginnen mit Schilderungen zu der Hyperinflation, spannen bald einen Bogen zum Aufstieg des Faschismus und enden mit Zweigs Gang ins Exil auf der Flucht vor den Fängen des Nationalsozialismus.

Im Exil von Depression geplagt lässt Zweig seine Autobiographie mit einem Satz ausklingen, der versucht, versöhnlich mit seinem eigenen und dem Schicksal Europas abzuschließen: „Aber jeder Schatten ist im Letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.“ Einige Monate später wählte er im Exil in Brasilien den Weg des Freitods.

Unabhängig von der inhärenten Historizität wohnt dem Werk aber auch ein grundlegend zeitloser Charakter inne. Es werden zeitlose Ideen vertreten und zeitlose Fragen debattiert, wie der Pazifismus, die Rolle der Kunst bzw. Kultur für eine Gesellschaft, das Schicksal des „jüdischen Volkes“ oder eine Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus, den Zweig, der sich selbst als eigentlich apolitisch charakterisierte, miterleben und erdulden musste. Ein besonderer Fokus kommt der Europa-Idee zu, die Zweig fast schon kosmopolitisch ausdehnt; ihm gelingt es, den ideellen Wert einer europäischen Gemeinschaft zu illustrieren, der uns Europäer, unabhängig von der dahinterstehenden politischen und wirtschaftlichen Macht, an die ursprüngliche Idee eines gemeinsamen Europas erinnern sollte, die in den heutigen Zeiten teilweise vergessen zu sein scheint. Des Weiteren findet eine starke vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Konzept und der Bedeutung der individuellen Freiheit statt. Dieser Aspekt, der sich sowohl mit der äußeren Freiheit in der Bildung oder in der Sexualität als auch mit der Entdeckung der inneren Freiheit und der daraus resultierenden Entfaltung auseinandersetzt, darf uns auch in Zeiten, in denen der Wert der inneren und äußeren Freiheit des Individuums durch diverse Faktoren hinterfragt bzw. eingeschränkt wird, durchaus als Mahnung gelten.

Insgesamt handelt es sich um ein sprachlich sehr schön verfasstes Werk, welches auf inhaltlicher Ebene die Sichtweise eines involvierten, aber doch grundlegend apolitischen Europäers auf die so verhängnisvolle Episode für Europa aufzeigt; diese Epoche, die gleichzeitig so viele Chancen mit sich gebracht hatte, deren Realisierung aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf breitere Ebene begann, in einer Welt, die nicht mehr die gleiche war.

Buchvorstellung – Bowling Alone

Bowling Alone

 

Bowling Alone: auch nach Corona?

In Corona Zeiten bedeutet Social Distancing einen erheblichen Verlust an Lebensqualität. Gerade jetzt bemerken wir, wie wichtig soziale Kontakte sind und wie sehr das vom Virus erzwungene Social Distancing uns beeinträchtigt. Die Welt wartet auf den Impfstoff, dann können wir uns endlich wieder treffen. Wirklich?

Schon vor 20 Jahren argumentierte der Politologe Robert Putnam in seinem Opus Magnus Bowling Alone für die USA, dass das soziale Kapital seit den 60-er Jahren abnehme. Während Kennedy 1965 in seiner Rede zur Amtseinführung noch stolz fordern konnte: „Ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country“, sei die Gesellschaft um die Jahrtausendwende auseinander gedriftet. Menschen seien weniger altruistisch, sie würden einander weniger vertrauen und vereinsamen. Unsere Generation bowlt nicht mehr zusammen, sondern jeder für sich: Bowling Alone. Ganz ohne Corona. Ja, und?
Putnam argumentiert, soziale Verarmung des Individuums sei gefährlich für die Gesellschaft als Ganzes. Hohes soziales Kapital fördert uns vielfältig: es sorgt für bessere individuelle Chancen, sicherere, produktivere und gerechtere Gesellschaften und stabilere, gemäßigte politische Strukturen. Umgekehrt führt niedriges soziales Kapital zu Klassendenken, Populismus und Rassismus.

Meiner Meinung nach entstehen viele soziale Kontakte zufällig, z.B. durch die Uni, beim Sport oder bei Initiativen. Heute werden diese Zufallsbegegnungen immer seltener. In der S-Bahn hören wir Musik über Kopfhörer, lassen unsere Einkäufe nach Hause liefern und streamen auf Netflix, statt ins Kino zu gehen. Und nach Corona werden viele ganz von zu Hause aus arbeiten. Unser Leben wird durch neue Technologien zwar immer bequemer, aber gleichzeitig auch isolierter.

Obwohl Bowling Alone bereits vor 20 Jahren erschienen ist, bleibt das Thema aktuell. Soziales Miteinander ist keine Selbstverständlichkeit. Corona ist wie ein Brennglas, das nur Probleme aufzeigt, die davor schon existiert haben. Deswegen ist Corona auch eine Chance, die Probleme bewusst macht und uns so hoffentlich aktiviert.

– Paul

 

Naomi Klein. Feministin, Journalistin und Globalisierungskritikerin.

In unserem zweiten Plenum ging es um die Frau, die mit ihren Werken die Welt verändern möchte. Als Autorin wird sie sehr geschätzt, ihre Bücher sind Bestseller. Eins haben sie gemeinsam: Sie kritisieren unser Wirtschaften und die Folgen der Globalisierung.

In ihrem Werk This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate stellt Sie die Behauptung auf, der Klimawandel sei eine Folge des kapitalistischen Wirtschaftens. Kapitel für Kapitel zeigt sie gravierende Verbrechen auf, welche von Unternehmen gegen die Umwelt begangen werden. Laut ihrer Überzeugung sorgen der Neoliberalismus und dementsprechende breite Privatisierungsmaßnamen dafür, dass Staaten gar nicht mehr in der Lage seien, langfristige Ziele umzusetzen, ein Grund warum viele Länder es versäumen Klimaschutzrichtlinien der Klimarahmenkonventionen der Vereinigten Nationen einzuhalten. Wenn unsere Regierungen mehr Kontrolle hätten, wir unsere Staaten stärken würden, dann wäre es möglich gegen den Klimawandel vorzugehen. Dafür müssten aber bei reichen Volkswirtschaften der Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbaren Energien höchste Priorität haben.

Der Grund warum dies, vonseiten der Politik, aber auch vonseiten der Bürger nicht mehr gefordert wird, ist eine in unserer Gesellschaft tief verankerte Illusion, dass selbst wenn alles schief geht, wir noch gerettet werden, und uns der Markt, philanthropische Milliardäre, oder neue Technologien vor dem Ende bewahren. Wir müssen von diesem „magischen Denken“ wegkommen, meint sie, und eine neue Weltanschauung durchsetzen.

Wir sollten ein Verständnis entwickeln, dass wir in einer Beziehung mit der Natur stehen und deswegen nachhaltig mit den vorhandenen Ressourcen umgehen müssen.

 

Bin ich Klimaleugner/in?

Kleins Definition von Klimaleugner beinhaltet auch all diejenigen, die zwar überzeugt sind, dass der Klimawandel ein real existierendes Problem ist, aber sich nicht aktiv dagegen einsetzen, und laut ihr die Probleme von Anderen (i.d.R. Umweltaktivisten) lösen lassen.

Wie in der Diskussion angemerkt wurde, sollte das „aktiv einsetzen“ hierbei als ökologisch nachhaltigem Handeln verstanden werden, und muss nicht zwingend bedeuten, dass man auf die Straße geht um zu demonstrieren. So kann ein umweltbewusster Mensch, welcher sparsam mit Wasser, Strom und Wärme umgeht, keine Lebensmittel wegschmeißt und kaum Plastik benutzt, nachhaltiger Handeln als ein/e Umweltaktivist/in, der/die zwar auf die Straße geht aber auch regelmäßig zu globalen Veranstaltungen fliegt. Kleins Definition ist vermutlich bewusst provozierend gewählt, da man hier auf eine Ebene mit Menschen gestellt wird, die davon überzeugt sind, dass der Klimawandel nicht existiert, was das Bedürfnis hervorruft, sich abzugrenzen und aktiver zu werden.

So sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir selbst laut Kleins Definition keine Klimaleugner/innen sind, da jeder einzelne überzeugt war, etwas gegen den Klimawandel zu tun, sei es Fahrrad fahren, auf Ernährung (vor allem Fleisch) achten oder Konsum von klimaschädlichen Produkten einschränken.

 

Tragen wir eine Mitschuld, dass Unternehmen umweltschädlich handeln?

Ein Argument was gerne benutzt wird, um das z.T. destruktive Verhalten von Unternehmen zu rechtfertigen ist, dass die Unternehmen nur überleben können, wenn es auch Kunden gibt, die bereit sind für die angebotenen Produkte zu zahlen. „Vote with your wallet“ ist ein weitverbreiteter Slogan, welcher Kunden klarmachen soll, dass jede Kaufentscheidung auch Einfluss auf die Unternehmensentwicklung und -handeln hat.

Klein ist der Überzeugung, dass selbst wenn ein/e Kunde/-in ein Produkt kauft, von dem er/sie weiß, dass es besonders umweltschädlich, oder unter inhumanen Bedingungen produziert wurde, der/die Kunde/-in keine Schuld trägt und kein schlechtes Gewissen haben sollte, da nicht er/sie die Entscheidung treffen muss, sondern unsere Wirtschaft und Staaten es gar nicht erst zulassen sollten, dass solche Produkte auf den Markt kommen.

Die Sitzung kam zum Schluss, dass extreme Verbrechen gegen die Umwelt oder gegen Menschenrechte natürlich vom Staat verurteilt werden müssen und die Unternehmen Konsequenzen befürchten müssen, wenn sie Richtlinien und Standards nicht einhalten. Die Auffassung von Klein wird jedoch nicht übernommen. Man kann jedem Konsumenten trotzdem eine Teilschuld zuweisen. Der Wandel kann nicht nur vom Staat, sondern muss auch von jedem Bürger kommen.

Nun kann sich nicht jeder die (oftmals teureren) nachhaltigeren Produkte leisten. Mit einer zunehmenden Zahl an Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor hat nicht jeder Konsument die freie Wahl. Als mögliche Lösung wurde angemerkt, dass der Staat für mehr wirtschaftliche Anreize durch Subventionen sorgen sollte, dass auch preisbewusste Konsumenten die Möglichkeit haben, die nachhaltigen Produkte zu bevorzugen.

Kapitalismus als Ursache für den Klimawandel?

Dies ist die Hauptaussage ihres besprochenen Werks. Es war spannend zu sehen ob die Meinung geteilt wird. Nun kann der Kapitalismus als Beschleuniger des Klimawandels angesehen werden. Die Vorstellung des unendlichen Wachstums, immer mehr Konsum und Gewinnmaximierung durch Kostenminimierung verleiten Unternehmen dazu, ihre Shareholder zu priorisieren und Stakeholder (Mitarbeiter, Familien, Städte, Staaten, Umfeld und Umwelt, …) zu ignorieren. Aber bedeutet das, dass Kapitalismus die Hauptursache ist. Nein, wird als Meinung in der Diskussionsrunde vertreten. Es liegt in der Natur des Menschen, dass langfristige Konsequenzen ignoriert werden, unabhängig von unserer Wirtschaftsform. Und genau dies ist das Problem mit dem Klimawandel. Die Folgen sind noch nicht spürbar. Prognosen von Klimaforscher und Experten warnen zwar seit Jahrzehnten immer mehr vor den gravierenden Folgen des Klimawandels, aber da die meisten Menschen noch keine Erfahrung mit enormen klimabedingten Einschränkungen machen mussten, ist der ökologische Nachhaltigkeitsgedanke nicht fest in unserem Bewusstsein verankert.

Des Weiteren wurde erinnert, dass Umweltverschmutzung, insbesondere Verschmutzung der Atmosphäre und dementsprechend weitgehende Folgen für das gesamte Klima, auch schon in der Sowjetunion und in Maos China stattgefunden hatte, beides Systeme die nichts mit der kapitalistischen Marktwirtschaft zu tun hatten.

Versagt Deutschland bei der Klimapolitik?

Die aktuellen Ereignisse im Hambacher Forst, der Rodung des Waldes um Braunkohle abbauen zu können, lässt einen daran zweifeln, dass Deutschland den richtigen Weg bezüglich der Energiewende einschlägt. Über 40% unseres Stroms kommt aus Kohlekraftwerken und die Erschließung neuer Tagebaue zeigt, dass sich das in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern wird. In der Diskussionsrunde wird zudem erwähnt, dass Deutschland regelmäßig versagt Klimaziele einzuhalten. So war die Vision, dass in Deutschland bis zum Jahr 2020 eine Millionen Elektrokraftfahrzeuge auf den Straßen sind. Heute liegt die Zahl bei fünfzigtausend. Das Klimaschutzziel, dass bis 2020 die CO2-Emissionen um 40% gesenkt werden, wurde von der aktuellen Koalition wieder gekippt. Als Pionier der Solarenergie wurde Deutschland schon lange von China überholt, und mit dem Einzug der AfD in den Bundestag, einer Partei die öffentlich den Klimawandel leugnet, ist eine radikale Neuausrichtung für mehr ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit stark zu bezweifeln.

Elon Musk: Retter in der Not oder Businessmann mit Größenwahn?

Im ersten Plenum des Semesters ging es um Elon Musk, der sich durch PayPal, SpaceX, Tesla und co seit den 90ern als Businesstitan behauptet hat. Doch der Ruhm bekommt ihm nicht gut – in den letzten Monaten stand Musk fast ausschließlich negativ in den Schlagzeilen und die Furore, die seine Tweets auslösen, werden immer größer. Nachdem Musk diesen Sommer einen der Rettungstaucher aus Thailand unbegründet als pädophil diffamiert hatte, führte er im Sommer ein Interview mit den New York Times, in dem er sich zum ersten Mal verletzlich zeigte. Er beklagte, 120 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen und fast die Hochzeit des eigenen Bruders verpasst zu haben. 

Muss man ihn also bemitleiden weil er wie so viele von uns unter Druck und Stress zu leiden hat? Wohl kaum. In der Runde fällt schnell das Wort “workaholic” und alle fragen sich, warum Musk nicht delegieren kann. Leidet Musk so sehr unter Größenwahn zu glauben, dass niemand anderes seine Arbeit ausführen könnte? In Interviews lässt er genau das durchklingen – er beschreibt sich gerne selber als Retter der Gesellschaft der innovativ ist, während die Politik schläft.

Eine Überlegung wert: in Deutschland verhalten sich CEOs anders und derartige Schlagzeilen würden sich viel negativer auf das Geschäft auswirken. Doch Musk ist nicht alleine in seiner unüberlegten Nutzung der sozialen Medien sondern erinnert mich in seinem Verhalten an Trump, der als Businesstitan sowie als Präsident Twitter leichtfertig nutzt, um unbegründete Anschuldigungen zu machen und sich im Rampenlicht zu suhlen. Die Frage, ob man als CEO leichter in ein solches Verhalten reinrutscht liegt Nahe, doch lässt sich nicht eindeutig beantworten. Klar ist, dass mit der Macht eines CEOs  Verantwortungen einhergehen. Der Verantwortung, Innovationen durchzusetzen wird Musk vielleicht gerecht, doch der Verantwortung, ein Vorbild zu sein wohl kaum. 

Klar ist außerdem, dass skurrile Tweets für Aufmerksamkeit sorgen und einem in Problemen schwimmenden Unternehmen wie Tesla Geld sowie Bekanntheit einbringen. Bleibt nur die Frage, ob das Ganze kalkuliert ist oder ein größenwahnsinniger, unter Schlafentzug leidender Mann zu oft am Handy alleine gelassen wird.